Kaffeegedicht

05.09.2011 21:48

 

Kaffee

Die Kaffeebohne wächst am Strauch. Der Kaffeepflücker weiß das auch, wenn er sich biegt und reckt und bückt und die Kaffeebohnen pflückt, mühevoll und mit Beschwerden. Die Bohne muss geröstet werden, damit die Oma, dann und wann, ihren Kaffee trinken kann, beim Kaffeekränzchen in dem Zimmer. Hin und wieder, doch nicht immer, hat sie auf dem Tisch gewischt und den Kaffee aufgetischt. Die zweite Oma kommt verfrüht. Nun wird der Kaffee aufgebrüht, freilich nicht zu stark und dick, denn das wär ein Missgeschick, in Anbetracht der Herzfrequenzen, bedingt durch beinah achtzig Lenzen, welche Omas, die sich laben, manchmal auf dem Buckel haben. Ist der Kaffee noch zu dunkel, beim Geplauder und Gemunkel, dann verdünnt man ihn mit Wasser. Dadurch wird er etwas blasser. Mit reichlich Milch wird er noch heller. Daneben steht der Kuchenteller. Dann ist die dritte Oma da, damit man sich mal wieder sah. Der Kaffee schmeckt nach Milch und Wasser. Schwarzer Kaffee sei viel krasser, weiß man dabei zu berichten und man will darauf verzichten, auf den Puls, wie es sich zeigt, der zum erhöhten Blutdruck neigt. Würfelzucker nimmt man still oder Süßstoff, wer das will. Die Omas reden zwar vom Tänzchen, noch neigen mehr zum Kaffeekränzchen, denn die Damen sind schon reifer und die Beine werden steifer. Der dünne Kaffee ist gesund und ist dabei feucht im Mund. Dann wird der Mund so leicht nicht trocken, wenn die Drei zusammenhocken und sich viel dabei berichten, von so allerlei Geschichten, die man sich halt gern erzählt, wenn man manches Thema wählt. Man trinkt den Kaffee weiter hell. Ist das Thema aktuell, dann ist das Thema zwar bekannt, doch bestimmt auch intressant. Der Milchkaffee hat noch geschmeckt. Die Interessen sind geweckt, solang man sich erzählen tut und man unterhält sich gut. Die Omas sprechen vom Skandal, von der Stimme bei der Wahl, von der Briefwahl die man macht. Der Brief wird bis ins Haus gebracht. Die Omas sprechen von Parteien, von Politiker die schreien, von Ämtern und von Positionen, von großen Reden die sich lohnen, in Bezug auf die Gehälter. “Die Menschen werden immer älter!”Dann sprechen sie von schmalen Renten, während manche Geld verschwenden. H. Feisel